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Max Brod:
Leben, Werk und
Zionismus als "Nationalhumanismus"
Von
Claus-Ekkehard Bärsch
Erschienen in: Illustrierte Neue Welt,
September / Oktober 2008
Vor bald sechzig Jahren, am
22.12.1968, endete in Tel Aviv das von Geist und Eros reich erfüllte irdische
Leben des zu seiner Zeit berühmten Max Brod, der am 27. Mai 1884 in Prag geboren
wurde und der, anders als die meisten jüdischen Dichter, Philosophen,
Wissenschaftler und Intellektueller, schon in jungen Jahren Zionist wurde.
Es kommt
hier nicht darauf an, Brods Leben und Werk mit eigenen Reflexionen zu
charakterisieren oder mit Reflexionen über Reflexionen anderer zu behandeln. Der
spezifische Zweck des Artikel besteht vielmehr im Hinblick auf den Gründer
dieser Zeitschrift darin, Brods Bewusstsein vom Judentum und seinen spezifischen
Zionismus so knapp wie möglich auf der Grundlage dreier Schriften darzustellen.
Diese sind: "Im Kampf um das Judentum", "Sozialismus im Zionismus" und
"Heidentum – Christentum - Judentum". Vorher ist auf seinen Lebenslauf und die
wichtigsten Bücher seines Gesamtwerkes einzugehen. Er hinterließ ein
umfangreiches (81 Bücher, sehr zahlreiche Beiträge in Zeitschriften und Artikel
in Tageszeitungen) und vielseitiges Werk.
Leben und Werk
Als Brod
am 22. Mai 1884 in Prag geboren wurde, war die Zeit der Gleichheit der Juden vor
dem Gesetz in Deutschland und Österreich erst 20 Jahre jung. In Prag lebten um
1900 415000 Tschechen und von den 35000 sich zur deutschen Sprache zählenden
Einwohnern waren 25000 jüdisch. Der deutsche, österreichische und auch
tschechische Antisemitismus wurde immer stärker.
Die
Vorfahren Brods väterlicherseits, darunter Rabbiner und Musiker, lebten seit 300
Jahren in Prag. Seine Mutter Fanny, geborene Rosenfeld, stammte aus dem
Landjudentum. Sein Vater hatte sich, aus der unteren Mittelschicht kommend, zum
stellvertretenden Direktor einer Bank heraufgearbeitet und wurde ein richtiger
Bildungsbürger. Brod liebte seinen Vater, fürchtete seine Mutter und hatte einen
jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester. Er absolvierte, wie die etwas
jüngeren Dichter Franz Werfel (1890-1945, gestorben in Kalifornien) und Paul
Kornfeld (1889-1942, ermordet in Lodz) und auch der berühmte Literat, Theater-
und Literaturkritiker, Verfasser vieler Essays und Gründer der heute noch
existierenden Zeitschrift "Die Literarische Welt", Willy Haas (geboren 1891,
gestorben 1973 in Hamburg) das Stephans-Gymnasium. Franz Kafka, Hugo Bergmann,
Felix Weltsch und Hans Kohn hingegen waren Schüler des strengeren
Altstädter-Gymnasiums. Alle wurden in Prag geboren und waren, mit der Ausnahme
von Franz Werfel, auf der Suche nach dem und darüber hinaus ihrem Judentum.
Hans
Kohn (geboren 1891 und gestorben 1971 in Philadelphia), der nach seiner langen
russischen Gefangenschaft in den zwanziger Jahren für zionistische
Organisationen arbeitete und schrieb, publizierte 1930 ein Buch über den
Philosophen, von dem fast alle Prager Zionisten beeinflusst wurden: "Martin
Buber. Sein Werk und seine Zeit", Neudruck Köln 1961. Hans Kohn war nur
einige Jahre in Palästina, ging 1934 in die USA, forschte, publizierte dort über
Nationalismus und lehrte an mehreren Universitäten als Professor für Politische
Wissenschaft. Der Philosoph
Samuel (Schmul) Hugo Bergmann hingegen, der in Prag als Bibliothekar
arbeitete, ging gleich nach dem Ersten Weltkrieg nach Palästina. Dort
organisierte er die werdende Universitätsbibliothek, wurde deren Leiter und 1935
Professor für Philosophie. Brod wurde von seinem Freund Samuel Hugo Bergmann,
der ebenfalls stark von Martin Buber beeinflusst wurde und für seine vielen
Werke u. a. "Einführung in die Logik", 1954 den Israel-Preis erhielt, nach 1910
in vielen langen Gesprächen in die Literatur zum Judentum und Zionismus
eingeführt.
Noch
enger als zu Bergmann und auch Franz Werfel war die Freundschaft zu dem
Philosophen Felix Weltsch (geboren 1884, gestorben 1964 in Jerusalem), der neben
seiner Tätigkeit als Publizist und Bibliothekar von 1919 bis 1939 die
zionistische Wochenschrift "Selbstwehr" herausgab. Innig war die 1902 begonnene
und andauernde Freundschaft zu Kafka, was allein dem Briefwechsel entnommen
werden kann. Die Briefe Kafkas an Brod beginnen meist mit "Liebster Max". Für
Kafkas Art der Beziehung zu Brod und die Weise, wie diese ausgedrückt wurde,
sind folgende zwei Sätze aus einem Geburtstagsbrief aufschlussreich:
"Denn weißt Du, Max, meine
Liebe zu Dir ist größer als ich und mehr von mir bewohnt, als dass sie in
mir wohnte und hat auch einen schlechten Halt an meinem unsicheren Wesen. ….
Kurz, ich habe Dir das schönste Geburtstagsgeschenk ausgesucht und überreiche
es Dir mit einem Kuss, der den unfähigen Dank dafür ausdrücken soll, dass Du
da bist."
Über
Brod als Nachlassverwalter Kafkas braucht hier nichts ausgeführt zu werden.
Anzumerken ist indes, dass Brod Kafkas Genie schon erkannte als dieser noch
keine einzige Zeile publiziert hatte und stets versuchte, Kafkas
Schreibhemmungen zu mildern.
Zu Brods
Lebenslauf reicht hier folgendes: Er studierte Jura, wurde 1907 an der Deutschen
Universität in Prag promoviert, war bis 1924 bei der Postdirektion Prag beamtet
und ab 1924 im Pressedepartement des Ministerpräsidenten der
Tschecho-Slowakischen Republik angestellt. Von 1928 bis zu seiner Emigration im
Jahre 1938 war er Theater- und Musikkritiker im "Prager Tagblatt". Er war der
Mittelpunkt des engen "Prager Kreises" (Felix Weltsch, Oskar Baum und nach
Kafkas Tod Ludwig Winder). Die engen Beziehungen zu weiteren literarischen
Kreisen Prags (Paul Leppin, Egon Erwin Kisch, Paul Kornfeld, Ernst Weiß, Hermann
Grab, Rudolf Fuchs) sowie der literarischen Welt Böhmens,
Österreichs und Deutschlands waren sehr intensiv. Max Brod sprach sehr gut
tschechisch und übersetzte Opernlibretti Leos Janáĉeks, übersetzte und
dramatisierte die "Abenteuer des braven Soldat Schweijk" von Jaroslav Hašeks und
machte beide berühmt. Zum Netzwerk seines Freundes- und Bekanntenkreises
gehörten so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Robert Walser, Kurt Tucholsky,
Heinrich und Thomas Mann, Christian von Ehrenfels, Alfred Weber und Einstein,
mit dem er musizierte. Brod, Mitbegründer des "Jüdischen Nationalrates" der
ersten Tschechoslowakischen Republik erhielt 1930 den tschechoslowakischen
Staatspreis für seinen 1925 erschienenen Roman "Rëubeni, Fürst der Juden. Ein
Renaissanceroman.".
Einen Tag vor dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Prag, am 15.03.1938,
emigrierte er nach Palästina, wurde kurz darauf Dramaturg der "Habima", lernte
ordentlich Ivrit und schrieb nach einer gewissen Pause noch sehr viel.
Brod
schrieb in seinen Romanen, Gedichten, Dramen und Erzählungen stets frei und
modern über Sex, Eros, Liebe und Ehe, hatte aber – anders als es Mode wurde -
die Intension, die Haltungen, Entscheidungen und Handlungen seiner Protagonisten
mit ethisch-moralischen Reflexionen zu verknüpfen. Dies geschah zunächst unter
dem Einfluss Schopenhauers in der geforderten Indifferenz gegenüber jeglicher
Moral und dann unter der Affirmation der Moralität und des jüdischen
Monotheismus. Mit seinen frühen Erzählungen aus den Jahren 1906 ("Tod den
Toten"), 1907 ("Experimente") sowie dem Roman "Schloß Nornepygge. Roman eines
Indifferenten." (1908) wurde er in Berliner Kreisen (Ludwig Rubiner, Franz
Pfemfert und der junge Kurt Hiller) begeistert anerkannt. Mit der 1910
beginnenden Ablösung von Schopenhauer widmete er sich in den Romanen "Jüdinnen"
(Berlin 1911) und "Arnold Beer. Das Schicksal eines Juden" (Berlin 1912) einer
lebenslang währender Darstellung jüdischer Themen in der Dichtung.
Mit dem
Roman "Tycho Brahes Weg zu Gott" (1915) wurde er weit über Prag hinaus bekannt.
Tycho Brahe, ein tatsächlich zu seiner Zeit berühmter Mathematiker am Hofe
Rudolf II., entscheidet sich unter dem Einfluss eines Rabbiners dazu, die
Gefährdung der Position seines Konkurrenten Johannes Keppler am Hofe Rudolf II.
abzuwenden. Weitere jüdische Themen werden in "Das gelobte Land" (Leipzig 1917),
"Eine Königin Esther" (Leipzig 1918), "Erlöserin. Ein Hetärengespräch" (Berlin
1921), "Eine Frau, die nicht enttäuscht" (1933), "Unambo. Roman aus dem
jüdisch-arabischen Krieg." (1949) und auch in dem Roman "Der Meister"
dargestellt. Nicht zu vergessen ist die Abhandlung "Johannes Reuchlin und sein
Kampf" (1965) gegen den Antisemitismus. Von den Romanen muss "Das große Wagnis"
(1918) erwähnt werden, weil darin - vor A. Huxley und G. Orwell - eine
Anti-Utopie entwickelt wird. In dem Roman "Galilei in der Gefangenschaft" (1948)
wird der Konflikt zwischen Wissenschaft und Ethik sublim entfaltet.
Für
seinen besten Roman hielt Max Brod "Stefan Rott oder das Jahr der Entscheidung"
(1931). Stefan Rott muss sich – Brod verlagert das Geschehen in das Jahr 1914 –
zwischen dem materialistischen Sozialismus seines großbürgerlichen Freundes und
der thomistischen Christologie seines kleinbürgerlichen Lehrers entscheiden.
Außerdem ist er in die Mutter seines Freundes – laszive Schönheit,
Repräsentantin der Genussbourgeoisie – verliebt.
Schließlich muss erwähnt werden, dass Max Brod, um sein Verhältnis zu den
Deutschen zu charakterisieren, den Begriff "Distanzliebe" erfunden
und sich in seiner Autobiographie dazu bekannt
hat.
Zionismus als
"Universalhumanismus"
Franz
Rosenzweig hat in der Zeitschrift "Der Jude" 1923
unter dem Titel "Apologetisches Denken" sowohl Leo Baecks "Das Wesen des
Judentum" (Berlin 1920) als auch Brods erstes religionsphilosophisches Hauptwerk
"Heidentum – Christentum – Judentum" (München 1921) rezensiert. Beide Bücher
seien "zwei bedeutende Werke aus neuer Zeit" zum
Problem des "jüdischen Denkens". Brod gehe nicht nur vom lebendigen Erleben des
Krieges im Hinblick auf seine Lehre vom "edlen und unedlen Unglück" aus und habe
nicht nur die "Wirklichkeit des historischen Judentums durchgearbeitet",
sondern zur "Erschließung einer neuen Methode auf dem uralten Gebiet
talmudischer Studien beigetragen."
Man kann
Brods Zionismus besser verstehen, wenn man seine spezifische Auffassung vom
Zionismus aus der Perspektive von "Heidentum – Christentum – Judentum"
wahrnimmt. Brods Lehre vom "edlen und unedlen Unglück", die seiner Ansicht nach
eine universale, über das Judentum hinausgehende Bedeutung hat, basiert auf der
Unterscheidung von "Diesseits" und "Jenseits".
Für das Heidentum sei das Jenseits nur eine "Diesseitsfortsetzung", das
Christentum wiederum stehe unter der "Idee der Diesseitsverneinung".
Das Judentum vermeide die Ausschließlichkeit von Diesseits und Jenseits, kenne
beide Sphären, trenne beide, vermeide die Ausschließbarkeit und sei
diesbezüglich zweigleisig. In der Lehre vom "edlen und unedlen Unglück" wird das
Sein in zwei Bereiche unterteilt. In dem einen unterliegt der Mensch der
Notwendigkeit. Weil in diesem Segment durch menschliches Tun nichts verändert
werden kann, ist es der Bereich des "edlen Unglücks". Weil in dem anderen
Bereich Veränderungen durch menschliches Tun möglich sind, ist hier das Unglück
"unedel". Es gibt also "neben dem unabwendbaren Unglück auch noch ein
abwendbares".
Das Unglück das abwendbar und unedel ist verpflichtet zur Handlung und Tat.
Damit sind nicht nur die kleinen Übel gemeint, sondern auch Krieg, Völkerhass
und soziale Unterdrückung. Nach jüdischer Auffassung sei "der Mensch Geschöpf
und Schöpfer zugleich",
die Anerkennung oder Nichtanerkennung beider Bereiche ist nach Brod eine Haltung
der Seele:
"Das
Judentum ist die Grundhaltung der Seele, die beide Bereiche anerkennt, edles
und unedles Unglück"
In
seiner Autobiographie betont Brod, dass sich in dieser Grundhaltung "auch andere
große Repräsentanten des ganzen Menschengeschlechts jenseits von Rasse und
Volkstum vereinigt finden."
Dementsprechend versteht Brod seinen Zionismus als "Nationalhumanismus"
und, in Rücksicht auf die anderen Nationen, als "Bekenntnis zur Menschheit".
Nach Brod soll jeder Jude den Nationalismus bekämpfen, zugunsten einer "allmenschlichen
Verbrüderung" und zugleich "mitten in der jungen jüdischen Nationalbewegung
stehen".
Die Verpflichtung zur Tat in der Sphäre des "unedlen Unglücks" gilt auch im
Hinblick auf die ökonomische Struktur der Gesellschaft; sein Ziel ist ein an der
Humanisierung der Arbeit orientierter Sozialismus.
Brods
Zionismus ist nicht dem durch Chaim Weizmann präsentierten
syntetisch-praktischen Zionismus, nicht dem revisionistischen Flügel Vladimir
Jabotinskiys und auch nicht dem zionistischen Marxismus (Poale Zion) zuzuordnen.
Die Art des Zionismus, die er bevorzugt, steht in der Nähe zur sozialistischen
Bewegung "Hapoel Hazair".
Brod lehnt sowohl die Allmacht des Einzelnen im Sinne des alten Liberalismus als
auch den Vorrang des Kollektivs (Klasse oder Nation) ab. Seine Ausführungen über
die Aufhebung der entfremdeten Arbeit sind heute noch lesenswert.
Brods
abschließende Bemerkung über die verschiedenen sich ergänzenden Konzepte des
"Sozialismus im Zionismus" führen uns in das Zentrum seines Bewusstseins von
Judentum und Zionismus. Denn all diese Konzeptionen stammen seiner Überzeugung
nach "aus der großen allmenschlichen Sehnsucht des Judentums"
und die 103 Seiten umfassende Schrift über "Sozialismus im Zionismus" aus dem
Jahre 1920 schließt mit dem Satz:
"Der
Zionismus in seinem irrationalen unbeweisbaren, daher festesten Kern ist
schließlich nichts anderes als gläubiges Vertrauen auf das religiöse und
soziale Genie des jüdischen Volkes."
Abschließend soll hier noch auf das eingegangen werden, was heute für viele im
Hinblick auf den Zionismus Anlass zur Kritik ist, nämlich auf die Araber-Frage.
Max Brod hatte in der Araber-Frage dieselbe Haltung bezogen wie Martin Buber.
Martin Buber hat aus seiner Philosophie des Dialogs politisch-aktuelle
Konsequenzen gezogen. Martin Buber gehört zu den Gründern der Bewegung Brith
Schalom, deren Ziele Friede und Brüderschaft mit den Arabern sind. Brod plädiert
in seiner Autobiographie dafür, dass
"ein
Mann wie Buber in die Regierung des jungen Staates gehört. Eines solchen
einzigartigen Mannes von hoher Weisheit, Tatkraft und internationalem Ruf sich
in der Zeit der Geschichtswende und inneren Umwandlung, Umschulung unseres
Volkes, nicht zu bedienen, das grenzt gerade an Verschwendungssucht. Es ist,
wie gesagt, unbegreiflich … Martin Buber ist, neben anderen, auch ein großer
Politiker. Es hätte nicht geschehen dürfen, dass er in den entscheidenden
Epochen beiseite steht. Man wird es in Hinkunft einmal, in historischer
Rückschau, als einen unserer schwersten Fehler, als trauriges Kuriosum
anführen."
Schlussbemerkungen:
Religionsphilosophie als Antwort auf Auschwitz
Brod
nannte die politischen Ereignisse, von denen alle Opfer des Krieges und des
Nationalsozialismus getroffen wurden "Attacken erlebter Ungerechtigkeit". Brod
antwortete auf diese Fragen philosophisch und empfand die Suche nach der Antwort
als Glück:
"Allen
diesen Attacken erlebter Ungerechtigkeit setzte ich meine
Unsterblichkeitslehre und die 'Lehre vom Leiden Gottes' entgegen. … Ich begab
mich auf unerforschte Wege. Viele Jahre habe ich damit zugebracht, zu meinem
Werk 'Diesseits und Jenseits' Material zu sammeln, eigenen Einfällen
nachzulaufen und sie mit den Gedanken der großen Denker, vor allem mit denen
Platons zu vergleichen. Diese Arbeit brachte mir viele Stunden namenloses
Glück."
Die
beiden Bände von "Diesseits und Jenseits" sind später unter den Titeln "Das
Unzerstörbare" und "Über die Unsterblichkeit der Seele" verlegt worden. In roher
Reduktion der Komplexität dieses religionsphilosophischen Hauptwerkes sei nur
dies hier angemerkt:
In der
Kausalstruktur der Natur liegt nach Brod die Ursache des Unrechts und der
Zerstörung der Güter des Lebens und das Leben selbst. Deshalb entwickelt Brod
die Lehre von der "Zersprengung des Kausalgefüges" bzw. der "Durchbrechung des
Kausalzusammenhangs" der Natur. Der "Verzicht auf Stärke aus Stärke" sei –
ausführlich entwickelt Brod vier Sphären – durch die "freie Tat", "Wissenschaft"
und das "religiöse Erlebnis" im Hinblick auf das unendliche Sein möglich. Die
Voraussetzung dafür sei die "Unsterblichkeit der Seele" und Gott als "Sein und
Werden". Darüber hinaus begründet er, sich von der philosophischen Theodizee und
christlichen Religion distanzierend, das Theologem "Gott will leiden". Dies
geschehe nicht für die Menschen, sondern sei so wie es ist. Das zu entwickeln
hatte sich bisher niemand getraut. Ohne Zweifel ist Brods Lehre eine
hochinteressante Deutung des Monotheismus hinsichtlich des so genannten Bösen
sowie der Gewalt in der Welt.
Aber ich
fürchte, die Menschen ertragen lieber Gewalt als den Glauben, Gott wolle durch
und in der Schöpfung leiden – aber nicht für die Menschen.
Anmerkungen:
In: Dichter, Denker, Helfer. Max Brod zum
50. Geburtstag, hrsg. von Felix Weltsch, Mährisch-Ostrau, 1934, S. 65.
Zur Bedeutung der
sehr großen Zahl jüdisch-deutscher Dichter in Böhmen und Mähren. vgl., Jürgen
Serke: Böhmische Dörfer. Wanderungen durch eine vergessene literarische
Landschaft, Hamburg 1987.
In dem Roman "Eine
Frau, die nicht enttäuscht" aus dem Jahre 1933.
Streibares Leben, S.
52.
S. 457-465.
ebd., S. 459.
ebd., S. 461.
ebd., S. 461.
ebd., S. 11.
ebd., S. 11.
Heidentum-Christentum-Judentum, S. 29.
ebd.., S. 65.
ebd., S. 168.
Streitbares Leben,
S. 337.
Im Kampf um das
Judentum, S. 60.
ebd., 46ff.
ebd., S. 60.
Sozialismus im
Zionismus, Wien/Berlin, S. 12, 73.
ebd., S. 42ff.
ebd., S. 73.
ebd., S. 108.
Streitbares Leben,
S. 334.
ebd., S. 324.
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17-11-08 |