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Martin Buber (1878 - 1965)
Martin
Buber wurde am 8. Februar 1878 in Wien geboren, wuchs aber bei seinem
Großvater Salomon Buber, einem berühmten Midrasch-Forscher, in Lemberg auf.
Buber studierte in Wien, Leipzig, Zürich und schließlich in Berlin, wo er
unter anderem Schüler Georg Simmels war. Seit 1898 engagierte er sich in
zionistischen Vereinigungen und nahm am 3. Zionistenkongress teil.
Schon damals tendierte er zur
kulturellen Ausrichtung des Zionismus und zur Denkensweise Ahad haAms. 1901
wurde Buber von Herzl als Redakteur für das Organ der Zionistischen
Bewegung, "Die Welt", eingestellt. In dieser Position bemühte sich Buber die
Notwendigkeit einer neuen jüdischen kulturellen Kreativität zu betonen.
Am 5. Zionistenkongress 1901 beteiligte sich Buber an der
Formierung der sog. Demokratischen Front, die in scharfer Opposition zu
Herzl stand. Buber trat als Redakteur der "Welt" zurück und gründete
mit Freunden den "Jüdischen Verlag". Ab 1916 gab er die Zeitschrift "Der
Jude" heraus. Nach dem ersten Weltkrieg wurde er ein Sprecher des
"hebräischen Humanismus", wie er es selbst nannte.
1923 publizierte Buber sein berühmtes
"Ich und Du", das die Grundzüge seiner Philosophie des Dialogs enthält. 1925
erschien der erste Band der Bibelübersetzung von Buber und Franz Rosenzweig.
Nach Rosenzweigs Tod im Jahre 1929 führte Buber diese Arbeit alleine fort
und vollendete sie 1961. 1930 wurde er Professor für Religionswissenschaften
an der Universität Frankfurt, musste den Posten jedoch 1933 aufgeben. 1938
kam Buber schließlich nach Palästina und wurde Professor für
Sozial-Psychologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem.
Buber sah das Wesen des Judentums im
Streben nach Einheit, was es zu einem Phänomen der Menschheit machte. Der
Jude ist trotz Assimilation in seiner Grundeinstellung Jude geblieben, denn
das Judentum bedeutete für Buber weit mehr als eine Ansammlung von
Glaubensartikeln, das Judentum war für Buber eine geistige Ausrichtung. Das
Fundament für die Erneuerung des Judentums konnte nur die Seele des Juden
selbst sein; Buber hielt es daher für nötig, daß sich die jüdische Seele von
den Fesseln der Assimilation befreit. Der Zionismus war für Buber der
geeignete Katalysator zur inneren Erneuerung. Buber prägte mit einem Aufsatz
von 1903 den Begriff "jüdische Renaissance". Seine Gedanken und Ansätze
machten Buber zu einer Leitfigur der zionistischen Jugend.
Die Texte:
- Der Jude und sein Judentum
Vor allem für die jungen Juden in
Mitteleuropa wurde Buber zur wichtigen Inspiration, was unter anderem durch
seine "Drei Reden über das Judentum" vor der zionistischen Jugend Bar Kochba
in Prag begründet wurde: Der Jude und sein Judentum, 1909, Das Judentum und
die Menschheit, 1910, Die Erneuerung des Judentums, 1911.
- Kulturarbeit
Zu den Delegiertentagen der deutschen
und der holländischen Zionisten (Februar 1917).
Für Buber konnte die Wiedergeburt des
Judentums nur die Rückkehr zu den alten, volkstümlichen Traditionen
bedeuten. Vom Kulturzionismus ausgehend sah er den Chassidismus als den
entscheidenden Punkt in dieser Wiedergeburt. Die Lehre des Chassidismus ließ
sich für Buber in einem Satz zusammenfassen: "Gott ist in jedem Ding zu
schauen und durch jede reine Tat zu erreichen." Buber wollte das
chassidische System von Werten als Model auf die zionistische soziale und
ideologische Erziehung übertragen.
- Rede auf dem XII.
Zionistenkongress in Karlsbad, 2. September 1921
Ein beständiges Thema in Bubers
politischer Arbeit war die Auffassung, der Zionismus müsse auch die
Bedürfnisse der Araber berücksichtigen. Er trat für eine Verständigung mit
den in Palästina lebenden Arabern ein und wandte sich bewusst gegen die
Gründung eines jüdischen Staates. Buber gehörte zu den Vertretern eines
binationalen Staates in Palästina. Auf dem 12. Zionistenkongress in Karlsbad
trug er eine Deklaration vor, die zwar den Begriff des "binationalen
Staates" noch nicht beinhaltet, jedoch genau darauf abzielt.
- Der Weg Israels
Der letzte Text zeigt Bubers anhaltende
Vision eines friedlichen Miteinanders, nachdem er die Realität des Staates
Israel akzeptierte und die Idee eines binationalen Staates damit verworfen
wurde.
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10-05-07 |