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Judentum und Israel
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Rede von Menachem Begin anlässlich des Besuchs von Anwar Sadat in der Knesset, 20. November 1977

Herr Vorsitzender, ehrenwerter Präsident des Staates Israel, ehrenwerter Präsident der arabischen Republik Ägypten, geschätzte und verehrte Knessetmitglieder,

anlässlich des Opferfestes Id el-Adha übermitteln wir unsere Glückwünsche an den Präsidenten und an alle Anhänger des islamischen Glaubens, wo immer sie auch sind.

Dieses Fest erinnert uns an die Bindung des Isaak auf dem Altar, die Prüfung, durch die der Schöpfer den Glauben unseres Vorvaters Abraham –unseres gemeinsamen Vaters- testete, die Herausforderung, der Abraham entgegentrat. Doch vom Standpunkt der Moral und des Fortschrittes der Menschheit läutete dieses Ereignis das Prinzip eines Verbots von Menschenopfern ein. In ihrer uralten Tradition lernten und lehrten unsere beiden Völker dieses humanitäre Verbot während die Nationen um uns herum damit fortfuhren, ihren Göttern Menschenopfer darzubringen. Somit trugen wir, das Volk Israel und das arabische Volk, zum Fortschritt der Menschheit bei, und wir tragen bis zum heutigen Tag zur menschlichen Zivilisation bei.

Ich grüße den Präsidenten von Ägypten anlässlich seines Besuches in unserem Land und seiner Teilnahme an dieser Knessetsitzung. Die Flugdauer von Kairo nach Jerusalem beträgt nur eine kurze Zeit, doch bis gestern Abend war die Distanz zwischen beiden Städten unendlich weit. Präsident Sadat zeigte Mut, indem er diese Distanz überwand. Wir Juden können Mut, wie ihn unser Gast bewiesen hat, anerkennen, denn mutig sind wir aufgestanden und mutig werden wir weiterhin existieren.

Herr Vorsitzender, dieses kleine Volk, der überlebende Rest des jüdischen Volkes, das in unsere historische Heimat zurückgekehrt ist, suchte immer den Frieden. Und als die Morgendämmerung unserer Freiheit am 14. Mai 1948, dem 4. Ijar 5708, anbrach, sagte David Ben Gurion in der Unabhängigkeitserklärung, der Charta unserer nationalen Unabhängigkeit:

"Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitigen Hilfe mit dem selbständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf."

Ein Jahr zuvor, als wir noch im Untergrund waren inmitten des schicksalhaften Kampfes zur Befreiung des Landes und zur Erlösung der Nation, erließen wir den folgenden Aufruf an unsere Nachbarn:

"Lasst uns gemeinsam in diesem Land leben und gemeinsam in ein Leben in Freiheit und Glück vorangehen. Unsere arabischen Nachbarn – weist die Hand, die in Frieden nach euch ausgestreckt ist, nicht ab."

Doch es ist meine Pflicht –meine Pflicht, Herr Vorsitzender und nicht nur mein Privileg-, heute wahrhaftig zu bezeugen, dass unsere im Frieden ausgestreckte Hand zurückgewiesen wurde. Und einen Tag, nachdem wir unsere Unabhängigkeit in Übereinstimmung mit unserem ewigen und unbestreitbaren Recht wieder erlangt hatten, wurden wir an drei Fronten angegriffen. Wir standen dort buchstäblich ohne Waffen – Wenige gegen Viele, Schwache gegen Starke. Einen Tag nach der Erklärung unserer Unabhängigkeit wurde ein Versuch unternommen, diese Unabhängigkeit durch Feindschaft zu unterdrücken und die letzte Flamme der Hoffnung des jüdischen Volkes aus der Generation der Schoah und der Auferstehung auszulöschen.

Nein, wir vertrauen nicht auf Militärkraft und wir haben unsere Beziehungen zur arabischen Nation niemals auf dieser Kraft aufgebaut. Im Gegenteil, Militärkraft wurde uns gegenüber demonstriert. Während all der Jahre dieser Generation haben Angriffe gegen uns in Form von brutaler Gewalt und mit dem Ziel, unsere Nation zu zerstören, unsere Unabhängigkeit zunichte zu machen und unser Recht zu annullieren, nie ein Ende genommen. Und wir verteidigten uns.

Es stimmt, wir verteidigten unser Recht, unsere Existenz, unsere Ehre, unsere Frauen und unsere Kinder gegen ständig wiederkehrende Versuche, uns durch brutale Gewalt zu vernichten. Und dies geschah nicht nur an einer Front. Es stimmt auch, dass wir mit Gottes Hilfe die Kräfte der gegen uns gerichteten Aggression überwanden und das Überleben unserer Nation sicher stellten, nicht nur für diese Generation sondern auch für alle folgenden Generationen.

Wir vertrauen nicht auf Militärkraft, wir vertrauen auf das Recht, nur auf das Recht. Und deshalb streben wir von alters her bis heute aus tiefstem Herzen nach Frieden.

Herr Präsident, Herr Präsident von Ägypten, in diesem demokratischen Haus sitzen Kommandeure aller hebräischen Untergrundorganisationen. Sie waren gezwungen, einen Kampf der Wenigen gegen die Vielen zu führen, einen Kampf gegen eine starke Weltmacht. Hier sitzen unsere besten Kommandeure, die ihre Truppen in eine Schlacht führten, die ihnen aufgezwungen worden war, und zu einem Sieg, der unausweichlich war, weil sie das Recht verteidigten. Sie sind Mitglieder verschiedener Parteien und haben ein unterschiedliches Aussehen. Doch ich bin sicher, Herr Präsident, dass ich ausnahmslos die Meinung von allen ausdrücke wenn ich sage, dass wir ein Streben in unseren Herzen tragen und eine Sehnsucht in unserer Seele hegen und dass wir in diesem Streben und in dieser Sehnsucht alle vereint sind, nämlich: Frieden zu bringen. Frieden für unsere Nation, die ihn an keinem einzigen Tag seit ihrer Rückkehr nach Zion erfahren hat; und Frieden für unsere Nachbarn, denen wir das Allerbeste wünschen. Und wir glauben, dass wir einander in allen Bereichen des Lebens helfen können, wenn wir Frieden, wahren Frieden, erreichen. Dann wird im Nahen Osten eine neue Zeit anbrechen: eine Zeit des Blühens und Wachsens, der Entwicklung, des Fortschritts und der Verbesserungen, so wie in alten Zeiten.

Erlauben Sie mir deshalb heute die Bedeutung des Friedens zu definieren, wie wir ihn verstehen. Wir streben nach einem wahren, umfassenden Frieden, mit vollkommener Versöhnung zwischen dem jüdischen und dem arabischen Volk. Dabei dürfen wir den Erinnerungen an die Vergangenheit nicht erlauben, uns im Weg zu stehen. Es gab Kriege, Blut wurde vergossen, unsere wundervollen Söhne sind im Kampf auf beiden Seiten gefallen. Wir sollen immer unsere Erinnerung an unsere Helden teilen, die ihr Leben gaben, damit dieser Tag, ja dieser heutige Tag, kommen konnte. Wir respektieren den Wagemut eines Gegners, und wir zollen allen Mitgliedern der jungen Generation in der arabischen Nation, die auch gefallen sind, Tribut.

Lassen Sie uns nicht entmutigt werden durch die Erinnerungen an die Vergangenheit, selbst wenn diese bitter für uns alle sind. Wir müssen sie überwinden und uns auf das konzentrieren, was vor uns liegt: auf unsere Völker, auf unsere Kinder, und auf unsere gemeinsame Zukunft. Denn in dieser Region sollen wir zusammen leben – die große arabische Nation in ihren Staaten und Ländern und das jüdische Volk in seinem Land, in Eretz Israel, für immer und ewig. Deshalb muss die Bedeutung von Frieden definiert werden.

Herr Präsident, lassen Sie uns als freie Männer Verhandlungen über ein Friedensabkommen führen, und mit der Hilfe Gottes und dem Glauben in unseren Herzen wird der Tag kommen, an dem wir dieses Abkommen in gegenseitigem Respekt unterzeichnen werden. Dann werden wir wissen, dass die Ära des Krieges beendet ist, dass wir unsere Hände ausgestreckt haben, dass wir einander die Hand gereicht haben und dass die Zukunft für alle Völker in der Region prächtig werden wird. Deshalb ist im Zusammenhang mit einem Friedensvertrag die Beendigung des Kriegsstatus von besonderer Bedeutung.

Ich stimme mit Ihnen überein, Herr Präsident, dass Sie nicht hierher gekommen sind und dass wir Sie nicht in unser Land eingeladen haben, um –wie es in den vergangenen Tagen angenommen wurde- einen Keil zwischen die arabischen Völker zu treiben oder –um es klarer mit den alten Worten zu sagen- um zu teilen und zu herrschen (divide et impera). Israel hat nicht das Bestreben zu herrschen und nicht den Wunsch etwas aufzuteilen. Wir möchten Frieden mit all unseren Nachbarn, mit Ägypten und Jordanien, mit Syrien und mit dem Libanon.

Es besteht keine Notwendigkeit zwischen einem Friedensvertrag und dem Terminus für den Kriegszustand zu differenzieren. Wir schlagen dies weder vor noch streben wir danach. Im Gegenteil, der erste Artikel eines Friedensvertrages bestimmt für immer das Ende des Kriegsstatus. Wir möchten normale Beziehungen zwischen uns aufbauen so wie diese zwischen allen Nationen nach allen Kriegen entstehen. Aus der Geschichte haben wir gelernt, dass Krieg vermeidbar ist, Herr Präsident. Es ist der Frieden, der unvermeidbar ist.

Viele Nationen haben Krieg gegeneinander geführt und manchmal haben sie den törichten Ausdruck "ewiger Feind" benutzt. Es gibt keine ewigen Feinde. Nach allen Kriegen kommt der unvermeidliche Frieden. Deshalb streben wir im Zusammenhang mit einem Friedensvertrag nach der Entstehung diplomatischer Beziehungen wie es zwischen zivilisierten Nationen üblich ist.

Heute ist Jerusalem mit zwei Flaggen geschmückt – der ägyptischen und der israelischen. Herr Präsident, wir haben unsere Kinder gemeinsam diese beiden Fahnen wehen sehen. Lassen Sie uns einen Friedensvertrag unterzeichnen und solch eine Situation für immer begründen, sowohl in Jerusalem als auch in Kairo. Ich hoffe, der Tag wird kommen, an dem auch ägyptische Kinder gemeinsam israelische und ägyptische Fahnen wehen werden, so wie die israelischen Kinder diese beiden Fahnen gemeinsam in Jerusalem wehten. Wenn Sie, Herr Präsident, durch einen loyalen Botschafter in Jerusalem vertreten sein werden und wir durch einen Botschafter in Kairo und wenn Meinungsverschiedenheiten zwischen uns aufkommen sollten, dann werden wir diese wie zivilisierte Völker durch unsere autorisierten Botschafter klären.

Wir schlagen wirtschaftliche Kooperation für die Entwicklung unserer Länder vor. Gott hat im Nahen Osten herrliche Landschaften geschaffen, praktisch Oasen in der Wüste. Doch es gibt auch Wüsten, und diese können fruchtbar gemacht werden. Lassen Sie uns gemeinsam diesen Herausforderungen entgegentreten und in der Entwicklung unserer Länder kooperieren. Lassen Sie uns gemeinsam Armut, Hunger und Obdachlosigkeit beseitigen. Lassen Sie unsere Nationen auf den Stand von Industrieländern wachsen, damit wir nicht länger Entwicklungsländer genannt werden.

Mit allem gebührenden Respekt bin ich bereit, die Worte Seiner Majestät, des Königs von Marokko, zu unterstützen. Dieser sagte öffentlich: Wenn Frieden im Nahen Osten geschaffen werden soll, dann kann die Kombination von arabischer und jüdischer Genialität die Region in ein Paradies auf Erden verwandeln.

Lassen Sie uns unsere Länder für die Bewegungsfreiheit öffnen, damit Sie zu uns kommen und wir Sie besuchen können. Herr Vorsitzender, heute bin ich bereit zu verkünden, dass unser Land offen ist für die ägyptischen Bürger, und ich füge dieser Ankündigung keinerlei Bedingung von unserer Seite aus an. Ich denke, es wäre nur richtig und gerecht, wenn es diesbezüglich eine gemeinsame Erklärung gäbe. Es wehen heute nicht nur ägyptische Fahnen auf unseren Straßen, sondern es ist auch eine ehrenwerte ägyptische Delegation in unserer Hauptstadt und in unserem Land. Es soll viele Besucher geben. Unsere Grenzen werden für Sie offen stehen, so wie auch alle anderen Grenzen offen sein werden, denn –wie ich sagte-, wir wollen dieselbe Situation, die im Süden vorherrscht, auch im Norden und im Osten haben.

Deshalb, Herr Präsident, erneuere ich meine Einladung an den Präsidenten von Syrien, unseren Fußstapfen zu folgen und in unser Land zu kommen, um Verhandlungen über die Schaffung eines Friedens zwischen Israel und Syrien und über die Unterzeichnung eines Friedensvertrages zwischen uns zu beginnen. Ich bedaure sagen zu müssen, dass es keine Rechtfertigung gibt für die verfügte Trauer auf der anderen Seite der nördlichen Grenze. Im Gegenteil, solche Besuche, solche Kontakte und Diskussionen können und sollten ein Grund der Freude sein, ein Grund der Begeisterung aller Nationen.

Ich lade König Hussein ein hierher zu kommen und wir werden mit ihm alle Probleme diskutieren, die zwischen uns bestehen. Ich lade auch aufrichtige Sprecher der palästinensischen Araber ein hierher zu kommen und Gespräche mit uns zu führen über eine gemeinsame Zukunft, über die Garantie der menschlichen Freiheit, der sozialen Gerechtigkeit, des Frieden und des gegenseitigen Respekts.

Und wenn sie uns in ihre Hauptstädte einladen sollten, werden wir auf ihre Einladung eingehen. Sollten sie uns einladen, Verhandlungen in Damaskus, Amman oder Beirut zu beginnen, werden wir in diese Hauptstädte gehen, um mit ihnen zu verhandeln. Wir möchten keine Trennung. Wir möchten wahren Frieden mit all unseren Nachbarn. Dieser soll in Friedensverträgen ausgedrückt werden. Deren Inhalt soll dergestalt sein wie ich sie bereits erklärt habe.

Herr Vorsitzender, heute ist es meine Pflicht, unseren Gästen und allen Nationen, die uns zuschauen und zuhören etwas über das Band zwischen unserem Volk und diesem Land zu erzählen. Der Präsident erwähnte die Balfour-Deklaration. Keinesfalls nahmen wir fremdes Land. Wir kehrten in unser Heimatland zurück. Das Band zwischen unserem Volk und diesem Land besteht für alle Ewigkeit. Es wurde in der Morgendämmerung der menschlichen Geschichte geknüpft. Es wurde niemals durchtrennt. In diesem Land gründeten wir unsere Zivilisation; hier sprachen unsere Propheten diese heiligen Worte, die Sie heute zitiert haben; hier warfen sich die Könige von Juda und Israel zu Boden; hier wurden wir eine Nation; hier gründeten wir unser Königreich. Und selbst als wir durch militärische Stärke aus unserem Land vertrieben wurden, selbst als wir weit weg waren, vergaßen wir dieses Land nicht, keinen einzigen Tag. Wir beteten für es; wir sehnten uns nach ihm; wir glaubten an unsere Rückkehr seit dem Tag, da folgende Worte gesprochen worden waren:

"Als Zion wieder baute der Ewige, da waren wir wie träumend. Da füllte sich mit Lachen unser Mund und unsere Zunge sich mit Jubel."

Dieses Lied betraf all unsere Exile, all unsere Leiden und den Trost, dass die Rückkehr nach Zion mit Sicherheit kommen würde.

Unser Recht wurde anerkannt. Die Balfour-Deklaration war in dem Mandat, das von den Nationen der Welt –inklusive den Vereinigten Staaten von Amerika- anerkannt wurde, enthalten. Und die Präambel dieses amtlichen internationalen Dokuments lautet:

"In Anbetracht dessen, dass hiermit der historischen Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und Palästina (oder auf Hebräisch "Eretz Israel") und den Gründen der Wiederherstellung seiner nationalen Heimat in diesem Land (das bedeutet, in "Eretz Israel") Anerkennung gewährt wird…"

Im Jahr 1919 erlangten wir vom Sprecher des arabischen Volkes auch die Anerkennung dieses Rechtes. Das Abkommen vom 3. Januar 1919, das von Emir Feisal und Chaim Weizmann unterschrieben worden war, sagt:

"Im Bewusstsein der Blutsverwandtschaft und uralten Bindungen, die zwischen den Arabern und dem jüdischen Volk bestehen und in der Realisierung, dass die sichersten Mittel, die Erfüllung ihrer nationalen Bestrebungen zu bewerkstelligen, in der bestmöglichen Zusammenarbeit bei der Entwicklung der arabischen Staaten und Palästinas besteht…"

Schließlich betrachten wir alle Kooperationsartikel zwischen dem arabischen Staat und Eretz Israel. Dies ist unser Recht. Es ist Erfüllung – die Wahrheit.

Was passierte uns, nachdem unser Heimatland von uns genommen worden war? Herr Präsident, ich begleitete Sie heute Morgen nach Yad Vashem. Mit Ihren eigenen Augen haben Sie gesehen, welches das Schicksal unseres Volkes war, nachdem dieses Heimatland von uns genommen worden war. Es ist eine unglaubliche Geschichte. Wir beide stimmten darin überein, Herr Präsident, dass jeder, der nicht selbst gesehen hat, was in Yad Vashem gezeigt wird, nicht verstehen kann, was über dieses Volk gekommen ist, als es heimatlos war, als es seiner Heimat beraubt war. Und wir lasen beide ein Dokument vom 30. Januar 1939, in dem das Wort "Vernichtung" erschien: "Wenn Krieg ausbricht wird die jüdische Rasse in Europa vernichtet werden." Damals wurde uns auch gesagt, wir sollten diesen Worten keine Beachtung schenken. Die ganze Welt hat zugehört. Doch niemand kam zu unserer Rettung. Nicht während der neun kritischen, schicksalhaften Monate, die dieser Ankündigung folgten – eine Ankündigung, wie wir sie nicht gehört haben seit Gott den Menschen erschaffen hat und der Mensch Satan. Auch während der sechs Jahre, in denen Millionen Menschen unseres Volkes –unter ihnen eineinhalb Millionen jüdische Kinder- auf jede nur mögliche Art abgeschlachtet wurden kam niemand zu unserer Rettung.

Niemand kam, niemand aus dem Osten und niemand aus dem Westen. Und deshalb schworen wir, diese gesamte Generation, diese Generation der Schoah und der Auferstehung, wir schworen einen Fahneneid: niemals wieder werden wir unser Volk gefährden. Niemals wieder werden unsere Frauen und unsere Kinder- die zu verteidigen unsere Pflicht ist, wenn nötig, auf Kosten unseres eigenen Lebens- in die zerstörende Reichweite des Feindes gebracht werden.

Darüber hinaus gilt: Seit damals ist es unsere Pflicht, und es wird auch in kommenden Generationen unsere Pflicht bleiben, uns daran zu erinnern, dass gewissen Dingen, die über unser Volk gesagt werden, mit großer Ernsthaftigkeit begegnet werden muss. Um der Zukunft unseres Volkes willen dürfen wir um Himmels willen keine Ratschläge annehmen, die uns weismachen wollen, solche Worte nicht ernst zu nehmen.

Vor seiner Reise nach Jerusalem erfuhr Präsident Sadat von uns, dass unsere Position gegenüber dauerhaften Grenzen zwischen uns und unseren Nachbarn eine andere ist als seine. Er weiß dies. Dennoch rufe ich den Präsidenten von Ägypten und all unsere Nachbarn auf: Schließen Sie keinerlei Verhandlungen über welches Thema auch immer aus. Ich schlage im Namen der überwältigenden Mehrheit dieses Parlaments vor, dass alles verhandelbar sein wird. Jeder, der sagt, in der Beziehung zwischen dem arabischen Volk –oder der arabischen Nationen in dieser Region- und dem Staat Israel gibt es Themen, die von Verhandlungen ausgeschlossen werden sollten, ergreift eine beängstigende Verantwortung. Alles ist verhandelbar. Keine Seite soll das Gegenteil sagen. Keine Seite soll Vorbedingungen präsentieren. Wir werden die Verhandlungen respektvoll führen.

Wenn es zwischen uns Meinungsverschiedenheiten gibt, so ist dies nichts Außergewöhnliches. Jeder, der die Geschichte von Kriegen und die Annalen von Friedensverträgen studiert hat, weiß, dass alle Verhandlungen bezüglich Friedensverträgen mit Meinungsverschiedenheiten zwischen den betroffenen Parteien begonnen haben und dass im Verlauf der Verhandlungen Lösungen gefunden wurden, die die Unterzeichnung der Abkommen oder Friedensverträge möglich machten. Wir schlagen vor, diesem Weg zu folgen.

Wir sollten die Verhandlungen als Gleichberechtigte führen. Es gibt keine Besiegten und keine Sieger. Alle Völker der Region sind gleichberechtigt und alle werden sich mit Respekt begegnen. Lassen Sie uns die Verhandlungen in diesem Geist der Offenheit führen, mit der Bereitschaft einander zuzuhören, Fakten, Gründe und Erklärungen anzuhören, mit vernünftigen Versuchen, zu einer gemeinsamen Überzeugung zu gelangen. Lassen Sie uns die Verhandlungen so führen, wie ich gebeten und wie ich vorgeschlagen habe sie zu beginnen, und lassen Sie uns die Verhandlungen hartnäckig fortzuführen bis wir in angemessener Zeit Erfolg haben und einen gemeinsamen Friedensvertrag unterzeichnen.

Wir sind nicht nur bereit, mit Vertretern aus Ägypten und mit Vertretern aus Jordanien, Syrien und dem Libanon –so dies erwünscht ist- bei einer Friedenskonferenz in Genf zusammenzusitzen. Wir schlugen auch vor, dass die Genfer Konferenz auf Basis der Resolutionen 242 und 338 des UNO-Sicherheitsrates wieder aufgenommen werden soll. Sollten jedoch im Vorfeld der Zusammenkunft der Genfer Konferenz Probleme zwischen uns auftreten, werden wir diese heute und morgen klären und wenn der Präsident von Ägypten daran interessiert ist, diese Probleme auch in Kairo zu lösen, dann ist das umso besser. Wenn die Lösung auf neutralem Boden gefunden wird, sind wir nicht dagegen. Nirgendwo. Lassen Sie uns noch vor Beginn der Genfer Konferenz die Probleme lösen. Lassen Sie uns die Probleme darlegen und offen darüber reden und bereit sein, allen Vorschlägen zuzuhören.

Erlauben Sie mir ein Wort über Jerusalem zu sagen. Herr Präsident, heute haben Sie in einem Gebetshaus, das dem Islam heilig ist, gebetet. Von dort aus gingen Sie in die Grabeskirche. Sie wurden Zeuge der Tatsache, die alle Menschen, die aus der ganzen Welt hierher kommen, sehen können, seit diese Stadt wiedervereinigt wurde: Für die Mitglieder aller Religionen gibt es absolut freien Zugang zu ihren freien Plätzen, ohne Einmischung und Hindernisse. Über 19 Jahre hinweg existierte dieses positive Phänomen nicht. Doch seit 11 Jahren gibt es diesen freien Zugang. Und wir können der moslemischen und der christlichen Welt –allen Nationen- versichern, dass es diesen freien Zugang zu den heiligen Orten einer jeden Glaubensrichtung immer geben wird. Wir werden dieses Recht auf freien Zugang verteidigen, denn es ist etwas, an das wir glauben: die Gleichberechtigung eines jeden Menschen, eines jeden Bürgers, und der Respekt vor jedermanns Glauben.

Herr Vorsitzender, dies ist ein besonderer Tag für unser Parlament und man wird zweifelsfrei noch viele Jahre in den Annalen unserer Nation, in der Geschichte des ägyptischen Volkes und vielleicht auch in der internationalen Geschichte daran erinnern.

Geschätzte und verehrte Knessetmitglieder, mit Ihrer Erlaubnis möchte ich an diesem Tag ein Gebet sprechen. Der Gott unserer gemeinsamen Vorfahren möge uns die erforderliche Weisheit des Herzens geben, um die Schwierigkeiten und Hindernisse, die Verleumdungen und üblen Nachreden zu überwinden. Mit der Hilfe Gottes mögen wir den lang ersehnten Tag erreichen, für den wir alle beten – den Tag des Friedens.

Wie der Psalmist Israels sagte: "Dass sich Gerechtigkeit und Frieden küssen" und wie der Prophet Secharja äußerte: "Liebet Wahrheit und Frieden."

Übersetzung von Daniela Marcus

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hagalil.com 10-05-07

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